Aufgrund der guten Konjunktur haben 46,1 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk Aachen mehr Geld in Maschinen, Geräte, Werkzeuge und Fahrzeuge gesteckt.
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Das Handwerk investiert kräftig

Sonderumfrage der Aachener Kammer: Fast jeder zweite Betrieb erhöht Ausgaben für Ausstattung und effizientere Prozesse 

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Aachen.  Aufgrund der guten Konjunktur haben 46,1 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk Aachen in den vergangenen drei Jahren mehr Geld in Maschinen, Geräte, Werkzeuge und Fahrzeuge gesteckt. Da sie die Zukunft positiv einschätzen, bleibt die Investitionsbereitschaft relativ hoch.

Sonderumfrage Investitionen im Handwerk

Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen des Handwerks ist sehr hoch. Die Kunden müssen wegen knapper Personaldecke in den Meisterbetrieben teilweise sogar Wartezeiten in Kauf nehmen. Zeitgleich schreitet der technische und digitale Wandel rasant voran. Dieser Mix ist der Grund dafür, dass die Chefs und Chefinnen im Kammerbezirk Aachen in den vergangenen drei Jahren kräftig investiert und vielfach mehr Geld in die Hand genommen haben als zuvor: 46,1 Prozent steigerten ihre Investitionsausgaben und weitere 41,2 Prozent behielten sie auf dem gleichen Niveau. Nur ein kleiner Teil von 6,9 Prozent senkte die Ausgaben oder investierte gar nicht (5,9 Prozent).

In den kommenden drei Jahren wird die Investitionsbereitschaft bei 49,2 Prozent  der Handwerksbetriebe auf dem bereits erreichten hohen Niveau bleiben. 17,5 Prozent werden mehr Kapital mobilisieren. Rund ein Fünftel tritt beim Thema Investitionen wieder auf die Bremse. Für 12,9 Prozent sind Investitionen in naher Zukunft kein Thema.

„Die Investitionsbereitschaft ist im Handwerk ausgesprochen hoch und wird bei der Mehrheit so bleiben. Nach dem kräftigen Schub in der Vergangenheit wird die Dynamik jedoch geringer“, fasst Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, die Ergebnisse einer Sonderumfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zusammen, an der sich die Kammer beteiligt hat. 308 meisterpflichtige und zulassungsfreie Unternehmen gaben ihre Einschätzungen ab, wenn auch nicht jede Frage von allen beantwortet wurde. Dies entspricht 2,4 Prozent aller Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Aachen, was belastbare Trendaussagen zu diesem Thema zulässt.

Mehrheitlich (59,4 Prozent) nahmen die Betriebsinhaber Geld in die Hand, um verbrauchte oder abgenutzte Produktionsmittel zu ersetzen. Bei etwas mehr als einem Viertel sind die Zukunftseinschätzungen so positiv, dass sie in die Erweiterung ihrer betrieblichen Kapazitäten investierten. 13,4 Prozent setzen Kapital zur Rationalisierung betrieblicher Produktions- und Geschäftsprozesse ein. Am häufigsten wird in Maschinen, Geräte und Werkzeuge (33,5 Prozent) investiert, gefolgt vom Fahrzeug- und Fuhrpark (26,9 Prozent.

Deutlich seltener erfolgt der Kapitaleinsatz zur Optimierung der Gebäude- und Grundstückssituation: Immerhin haben jedoch 11,8 Prozent der Betriebe in den vergangenen drei Jahren innerhalb ihrer Räumlichkeiten Sanierungen oder Renovierungen vorgenommen und 14,2 Prozent neue Einrichtungsgegenstände angeschafft. 3,1 Prozent erwarben immaterielles Anlagevermögen wie Lizenzen und Patente beziehungsweise investierten in Forschung und Entwicklung.

Neue Technik im Fokus

Mit den Investitionen wird am häufigsten die Anpassung an technische Neuerungen und Standards verfolgt (24,9 Prozent). 18 von 100 Unternehmen haben die Verbesserung ihrer Produktionsprozesse zum Ziel, hingegen nur elf von 100 die Verbesserung der Energieeffizienz.

Für die Einhaltung von regulatorischen Vorgaben des Umweltschutzes mussten 6,7 Prozent der Betriebe Kapital bereitstellen. Das Ziel, Produktinnovationen auf den Markt zu bringen, verfolgen 5,9 Prozent, und bei 4,6 Prozent ist es die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.
Gefragt nach der Investitionshöhe in den vergangenen drei Jahren konnten oder wollten 30,9 Prozent der 308 Betriebe, die sich an der Befragung beteiligt haben, keine Angaben machen beziehungsweise haben nicht investiert.

Bei den antwortenden Betrieben lag die durchschnittliche Investitionshöhe bei rund 154.000 Euro in drei Jahren. Die Summen reichten von 1.000 Euro bis 3,7 Millionen Euro. Jeweils ein Viertel investierte in den vergangenen drei Jahren 1.000 bis 19.999 Euro beziehungsweise 20.000 bis 49.999 Euro; 19 Prozent setzten zwischen 50.000 und 99.999 Euro an Kapital ein, rund 23 Prozent zwischen 100.000 und 500.000 Euro und 8,1 Prozent eine halbe Million Euro und mehr.

Aus eigener Kraft

Aufgrund der guten Konjunkturlage und der entsprechend guten Geschäftsentwicklung seit etwa Herbst 2010 konnten die Handwerksbetriebe im Gegensatz zu früheren Perioden einen wesentlich höheren Eigenkapitalstock aufbauen. Aus diesem finanzieren sie Investitionen entweder komplett aus eigener Kraft (44,4 Prozent) oder in Verbindung mit Fremdkapital (32,5 Prozent). 18 Prozent beglichen die Rechnungen für ihre Investitionen ausschließlich über fremdfinanziertes Kapital.

Steuern bremsen

Obwohl die Handwerksunternehmen in den vergangenen Jahren recht viel in ihre Betriebe investiert haben, sorgen diverse Rahmenbedingen dafür, dass diese Entscheidung den Unternehmern nicht immer leicht gemacht wird. An erster Stelle nennt rund jeder vierte Betrieb (25,5 Prozent) die Höhe der Steuern und Abgaben. Jedem fünften Betrieb (20,6 Prozent) fehlen die geeigneten Fach- oder Nachwuchskräfte, damit sich Investitionen in neue Maschinen, Anlagen und technologisch anspruchsvolle Geräte oder in die Ausweitung der Produktions- und Dienstleistungskapazitäten lohnen.

Info: Weitere Informationen zu den Umfragen der Handwerkskammer Aachen finden Sie im Internet unter www.hwk-aachen.de/umfragen.